Zinsentwicklung Festgeld

Entwicklung der Zinssätze Festgeldanlagen

Zinssätze auf historischen Tiefstständen Frankfurt/Main 18 .11. 2012 -- Wohin man auch blickt, die Zinssätze erreichten neue Tiefststände. Aber erst ein Blick zurück auf fast 20 Jahre verdeutlicht, wie dramatisch die (Real-)Zinsen gefallen sind. Die Debitoren profitierten davon - und die Sparenden zahlten die Rechnung. Daraus ergibt sich ein Realzinssatz von gut vier Prozentpunkten, was für eine risikofreie Geldanlage sehr gut ist.  

Fast 18 Jahre später, bei einer aktuellen Inflation von 2,0 Prozentpunkten, müssen sich die Anleger bei fünfjährigen Sparbriefen mit einem durchschnittlichen Zinssatz von nur 1,86 beibehalten. Beispielsweise verzinst sich der heutige Top-Anbieter mit 3,3 vH. Weniger erfreulich ist die Situation auch für Anleger, die als Sparsamkeit auf Festgeld angewiesen sind.

Im Jahr 1995 konnten sie rund 4,5 Prozentpunkte und damit einen realen Zinssatz von gut zwei Prozentpunkten erzielen (Grafik unten). Bis 2003 blieb die Diskrepanz zwischen Nominalzins und Teuerung etwa auf diesem Level. Von da an stieg die monetäre Abwertung stärker als die Zinsen: Wer ein Jahr lang investierte, musste sich mit einem Realzinssatz von Null auseinandersetzen.

Die Festgeldinvestoren blicken seit 2010 in die Tiefe, denn der Durchschnittszins, den sie auf eine einjährige Festgeldanlage erhalten, ist geringer als die Inflationsrate. Derzeit ist sie einen Komprozentpunkt unter der Teuerung, so dass 10.000 heute investierte EUR die nötige kaufmännische Stärke von 9.900 EUR zwölf Monaten später haben. Bei intelligenten Sparern ist der Abgleich der Zinssätze für Festgeldanlagen obligatorisch.

Mehrere Kreditinstitute haben Zinssätze von über zwei Pro zen. Die Lage der Darlehensnehmer ist viel günstiger als die der Einleger. Vor allem die Gebäudeeigentümer konnten im Laufe der Jahre von wesentlich niedrigeren Realzinssätzen profitieren. Während 1995 bei der Inanspruchnahme eines 15jährigen Baukredits dem Debitor ein Realzinssatz von gut sechs Prozentpunkten (neun Prozentpunkte Kreditzinssatz mit 2,2 Prozentpunkten Inflation) berechnet wurde, ist diese Belastung auf einen Prozentpunkt Realzinssatz reduziert worden, wie die folgende Abbildung verdeutlicht (gelbe Linie)!

Die Teuerung "schultert" also zwei Dritteln der Rückzahlung, und nur das letztgenannte Dritteln muss vom Darlehensnehmer selbst aufgebracht werden. Die nominalen Zinssätze liegen mittlerweile bei rund sechs Prozentpunkten, so dass die Realzinslast für Ratendarlehen nun bei vier Prozentpunkten und nicht mehr bei elf Prozentpunkten liegen. Unabhängig davon, welche Ursachen die Realzinslast so stark reduziert haben - sei es die Milliarden von Krediten der EZB an die Kreditinstitute oder der sich verschärfende Wettbewerb zwischen den Instituten - steht fest: Den Schuldnern geht es heute viel besser als noch vor einem oder zwei Jahren.

Sie werden von Sparern bezahlt - vor allem von solchen, die ihr eigenes Kapital ohne Konkurrenz zur nächsthöheren Hausbank mit sich führen oder von Werbeslogans angelockt werden.