Niedrige Zinsen

Tiefstzinssatz

Vizepräsident Constâncio von der EZB: "Die Deutschen profitieren nicht von niedrigen Zinsen" . Die bisherige Vizepräsidentin der EZB, Vizepräsidentin Constâncio, bezweifelt die deutsche Finanzmarktkultur. "Erstaunlich ist zum Beispiel, dass Deutschland das mit der niedrigsten Immobilienbesitzquote in Europa ist", sagte Constâncio. Im Ausland baut man Wohnungen und nutzt dafür Kredit - gerade jetzt, wo die Zinsen so tief sind.  

Davon bemerkt man in Deutschland kaum etwas. "Constâncio ist seit 18 Jahren im Rat der EZB und seit 2010 stellvertretender Präsident der EZB, die letztgenannten sieben unter Mario Draghi. Sie hat die extrem niedrige Zinspolitik der vergangenen Jahre mitgeprägt - und sie immer neben Draghi nach aussen hin repräsentiert.

Die EZB ist ohne die extrem niedrigen Zinsen und die massenhaften Käufe von Bundesanleihen durch die EZB der Ansicht, dass der Euroraum wahrscheinlich zusammengebrochen wäre. Constâncio tritt Ende Juni aus dem Büro zurück. Im Rückblick sagt Constâncio, dass selbst die Euro-Krise ohne die Vorherrschaft der dt. Zivilisation in Europa leichter zu lösen gewesen wäre.

"eDeutschland ist ein äußerst wettbewerbsfähiges Unternehmen, dessen Erfolge auf einem festgelegten Regelsystem und der Einhaltung dieser Vorschriften beruhen", sagte Constâncio. "Constâncio kritisiert nicht nur Deutschland, sondern auch Italien. In Anbetracht der angespannten wirtschaftlichen Situation warnten die Portugiesen die Italier gar vor den Auswirkungen einer erneuerten Staatsschuldenkrise: "Als die Finanzmärkte 2012 das Jahr überfielen, zeigte dies, dass sie in ihrer Sichtweise unberechenbar sein und die Risikobewertung für einen Kreditnehmer schlagartig und rasch, zum Teil mit schwerwiegenden Konsequenzen verändern können", sagte Constâncio.

Er liess offen, ob die EZB in einem Dringlichkeitsfall intervenieren und Italien vor der Insolvenz bewahren würde. "*Italiener kennen die Vorschriften. Constâncio: Nein. Es gab Augenblicke, auf dem Gipfel der Krisensituation, in denen es existentielle Bedenken gab, wie es weitergehen sollte. Constâncio: Die Schwierigkeiten waren das Resultat des originalen, sehr reduzierten Designs der Euroraum.

Constâncio: Ja. Vizepräsidentin Constâncio (74) ist seit 2010 Vizepräsidentin der EZB. Davor war Herr Constâncio seit 2000 Präsident der EZB Portugals - und als solches ebenfalls Mitglied des EZB-Rates. Constâncio wird die EZB Ende März verlassen. Constâncio: Das ist sicherlich eine große Aufgabe - vor allem für Italien selbst.

Die Angriffe der Kapitalmärkte auf das Jahr 2012 zeigten, dass sie in ihrer Sichtweise unberechenbar sein können und die Risikobewertung für einen Debitor plötzlich und rasch, teilweise mit schwerwiegenden Konsequenzen, verändern können - auch wenn Italien zu diesem Zeitpunkt bereits einen Primäroblutsüberschuss hatte. Constâncio: Ich möchte unterstreichen, dass jede Maßnahme zur Wahrnehmung unseres Auftrags beitragen und auch an bestimmte Auflagen gebunden sein muss.

Die Anwendung des Programms "Outright Monetary Transactions" (OMT) zur Einflussnahme auf die Finanzmärkte von Staatsanleihen krisenanfälliger Länder ist nur möglich, wenn das betroffene Drittland auch einem Anpassungsprogramm zugestimmt hat. Constâncio: Ich möchte nur anmerken, dass Italien die Vorschriften kannte. Einerseits sind es die stabilitätorientierten nordischen Länder wie Deutschland, andererseits der Süd.

Constâncio: Es gibt sicherlich Kulturunterschiede, die in der Vergangenheit verwurzelt sind und nicht verloren gegangen sind. Erstaunlich ist zum Beispiel, dass Deutschland das bevölkerungsreichste Immobilienmarktland Europas ist. Im Ausland baut man Wohnungen und nutzt dafür Kredit - gerade jetzt, wo die Zinsen so tief sind.

Davon bemerkt man in Deutschland kaum etwas. Constâncio: Ja, ich glaube schon. Es ist ein äußerst gelungenes Deutschland, dessen erfolgreicher Weg auf einem festgelegten Regelsystem und der Einhaltung dieser Vorschriften aufbaut. Auch für Deutschland ist seit dem Zweiten Weltkonflikt alles sehr gut gelaufen. Constâncio: Ein Motiv für die Zurückhaltung vieler europäischer Staaten erscheint mir, dass sich die Euro-Zone derzeit in einer sehr robusten Wachstumsphase befindet.

Constâncio: Man sollte meinen, dass die Bankunion die simpelste dieser Neuerungen sein würde. Dies würde das Anlegervertrauen in den EUR weiter festigen, denn unser Kapital ist hauptsächlich in Form von Bankguthaben angelegt. Constâncio: Es wird bereits aufgeklärt. Deutsche Sparende erwarten, dass sie ihr Kapital bei der Hausbank wieder verzinst erhalten.

Constâncio: Ich kann dieses Anliegen gut verstehen. Aber vor der Euroeinführung fühlten sich die Sparer in Deutschland nicht gerade besser: Vor der Euro-Einführung hatten sie 2,25 Prozentpunkte Zinsen auf ihre Spareinlagen erhalten, während die Teuerung zu diesem Zeitpunkt mit 2,4 Prozentpunkten deutlich über der des Vorjahres war. Constâncio: Aber es gibt auch die zweite Hälfte der Medaille: Niedrige Zinssätze unterstützen sowohl öffentliche als auch private Kreditnehmer.

Sie wird von den Germanen nicht benutzt. Constâncio: Ja, aber nur in den großen Städten, nicht immer. Deutsche konnten die Vorteile der günstigen Zinssätze für Kredite ausspielen. Constâncio: Ja, die Deutsche hinterlassen schlichtweg zu viel Kapital auf dem Spielerkonto, anstatt es in andere Investitionen mit höherer Rendite zu stecken. Constâncio: Der EZB-Rat hat beschlossen, dass die Zentralbank bis Ende des Monats 30 Mrd. EUR pro Kalendermonat kauft und dass die Zinssätze bis zum Ende dieses Ankaufprogramms auf dem derzeitigen Stand bleiben werden.

Constâncio: Ein Crash ist keine Selbstverständlichkeit. Constâncio: Das würde die Spannung weiter erhöhen und wäre schlecht für die ganze Erde - nicht nur für uns, sondern auch für die USA. Constâncio: Ich denke, dass niemand einen echten Handels-Krieg will, weil jeder weiß, dass es nur Unterlegene gibt.